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Alte Zeitarbeitszöpfe abgeschnitten

„Sie vertreten die Auffassung einer Generation, die in den nächsten zehn bis 15 Jahren in den Ruhestand treten wird. Die junge Generation wünscht, Flexibilität, freie Gestaltung und freie Wahl des Arbeitsplatzes. Wir sind ein ganz normales Arbeitsverhältnis wie jedes andere auch, deshalb verstehe ich diese Diskussion nicht“, fand der iGZ-Bundesvorsitzende Christian Baumann scharfe Worte als Replik auf einen Beitrag von Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer Paritätischer Wohlfahrtsverband, während einer Diskussionsrunde im Rahmen des iGZ-Bundeskongresses in Münster.

 

Wunsch und Wirklichkeit

Mit der Bemerkung „Ich frage mich, welcher Unternehmer nicht über mehrere Jahre kalkulieren kann, wie viele Reinigungskräfte er braucht“, zog Schneider den Unmut der rund 500 Zuhörer auf sich. Bei Arbeitnehmern paare sich immer der Wunsch nach Sicherheit mit Flexibilität. In der Realität sehe es aber anders aus.

Ungeheure Fluktuation

Schneider hatte zudem gefordert, Zeitarbeit solle auf ihren ursprünglichen Sinn zurückgeführt werden. Ein Verbot wolle er allerdings nicht: „Wenn Zeitarbeit sinnvoll eingesetzt wird, sind Zeitarbeitsfirmen Gold wert.“ Zeitarbeitgeber trügen enorme Verantwortung gegenüber ihrem Personal. Es herrsche jedoch eine ungeheure Fluktuation und Rotation bei den Arbeitnehmern aus den Jobcentern. „Menschen wollen eine Perspektive, Maßnahmen müssen Sinn machen.“

Negativer Klebeeffekt

Andreas Fier erinnerte daran, dass „große Skandale immer hängen bleiben, das ist ein negativer Klebeeffekt.“ Zeitarbeit habe von jeher ein negatives Image – in den Medien habe Negatives traditionell einen höheren Stellenwert. „Zeitarbeit ist auch wirklich ausgenutzt worden. Das passiert, wenn Unternehmen ihre soziale Verantwortung vergessen und nur noch auf Profit aus sind. Da sind die Unternehmer gefragt, das zu lösen“, resümierte Fier.

Bessere Bedingungen

Pöttering unterstrich, aufgrund vieler Maßnahmen sei die Situation längst viel besser, aber die Akzeptanz eben schlechter geworden. „Man kann die soziale nicht von der wirtschaftlichen Frage trennen. In der Zeit, in der 800.000 neue Zeitarbeitnehmer hinzukamen, sind zweieinhalb Millionen neue Stellen geschaffen worden. Also sind auch die Stammbelegschaften gewachsen. Unternehmer müssen effektiv in der Produktion sein“, zeichnete er dazu die laufende Entwicklung nach.

Alte Zöpfe

„Unsere Hauptproblematik liegt darin, qualifiziertes Personal zu gewinnen“, verwies Baumann auf den Status quo. Der Zeitarbeitsbranche werde außerdem immer auferlegt, sie müsse ihre Kernfunktion erfüllen. „Aber nirgendwo sind Kernfunktionen definiert. Wir sind Problemlöser, wir sind der Motor für Arbeitnehmer, mit Unternehmen in Kontakt zu kommen. Sie können die Arbeit erproben um zu schauen, in welche Arbeit sie kommen möchten“, schnitt er alte Zöpfe ab. Pöttering ergänzte in diesem Zusammenhang, die Skandalisierung der Zeitarbeit dürfe nicht dazu führen, dass sich Unternehmen verstecken. „Der iGZ macht´s richtig und geht mit den Anliegen der Branche offensiv an die Öffentlichkeit“, attestierte er die richtige Strategie.

Qualität nimmt zu

Wirtschaftsredakteur Fier empfahl, nach außen zu kommunizieren, dass Zeitarbeit gerechte Arbeit und Bezahlung biete. Und Baumann bestätigte: „Zentrales Element ist in der Tat die Kommunikation, hier müssen wir noch viel aktiver werden. Das ist eine echte Mammutaufgabe. Bisher waren wir zu abstrakt. Die Mediendarstellung ändert sich jedoch. Die Qualität der Berichterstattung nimmt stark zu. Ich würde mich darüber freuen, wenn wir in einem Diskurs mit den Medien bleiben. Bleibt noch mein frommer Wunsch: Mehr Verständnis in der Diskussion auf Seiten der Politik.

Quelle IGZ

Personalmangel: Keine Trendwende in Sicht

In Deutschland gibt es immer mehr freie Arbeitsplätze: Im ersten Quartal 2018 gab es bundesweit rund 1.190.000 offene Stellen, fand das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Zuge der IAB-Stellenerhebung heraus. Mit einem Anstieg von gut 7.000 Stellen liege die Zahl leicht über dem bisherigen Rekordwert im Vorquartal.

Gegenüber dem ersten Quartal 2017 erhöhte sich die Zahl der offenen Stellen laut IAB-Pressemitteilung um rund 126.000. In Westdeutschland seien im ersten Quartal 2018 rund 930.000 offene Stellen zu vergeben gewesen, in Ostdeutschland rund 260.000.

Nachfrage anhaltend hoch

43 Prozent der Neueinstellungen seien im vergangenen Jahr mit Schwierigkeiten behaftet gewesen, berichten die Betriebe. Im Jahr 2016 habe dieser Wert noch bei 36 Prozent gelegen. Die Dauer vom gewünschten bis zum tatsächlichen Arbeitsbeginn sei im gleichen Zeitraum von durchschnittlich 24 auf 27 Tage angestiegen. „Die Personalnachfrage ist anhaltend hoch. Derzeit ist da auch keine Trendwende in Sicht“, erklärte IAB-Arbeitsmarktforscher Alexander Kubis.

IAB-Stellenerhebung

Das IAB untersucht mit der IAB-Stellenerhebung viermal jährlich das gesamte Stellenangebot, also auch jene Stellen, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden. Im ersten Quartal 2018 wurden Antworten von rund 9.000 Arbeitgebern aller Wirtschaftsbereiche ausgewertet.

Quelle IGZ

AÜG-Reform verunsichert Zeitarbeitnehmer

Es ist nicht alles Gold, was glänzt – und schon gar nicht glänzt die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG), die wohl eher so überflüssig wie ein Kropf ist. So jedenfalls könnte das Fazit einer Umfrage lauten, die das unabhängige Marktforschungs- und Analyseunternehmens Lünendonk im Auftrag des iGZ-Mitgliedsunternehmens Orizon unter dessen Zeitarbeitnehmern durchführte.

Entgegen den Absichten des Gesetzgebers beschere die AÜG-Reform vielen Zeitarbeitnehmern zwar ein Gehaltsplus durch Equal Pay, gleichzeitig herrsche aber auch Angst vor häufigeren Einsatzwechseln mit Gehaltsrückgang oder einem Jobverlust. Generell, so Orizon in seiner Pressemitteilung, herrsche eine größere Unsicherheit.

Arbeitsverträge befristet

Einer der Hauptfaktoren sei die Art des Arbeitsvertrages: Rund zwei Drittel der von den Kundenunternehmen übernommenen Zeitarbeitnehmer erhielten lediglich einen befristeten Arbeitsvertrag. Zum Vergleich: In der Zeitarbeitsbranche sind rund 90 Prozent aller Arbeitsverträge unbefristet.

Einsatzwechsel

Weiterhin, so das Ergebnis, erwarten die Teilnehmer der Studie, dass Zeitarbeitnehmer als Folge der AÜG-Reform häufiger „ausgewechselt“ werden und durch diese häufigeren Einsatzwechsel auch stärkeren Schwankungen beim Gehalt ausgesetzt sind. Auch eine generell höhere Angst vor einem Jobverlust treibe die Befragten um.

Unsicherheit

Und die Stimmung sei durchaus kritisch: Rund 54 Prozent der Befragten stimmen zu, dass die Nachteile der AÜG-Reform für Zeitarbeitnehmer überwiegen. CEO Dr. Dieter Traub zieht das Fazit: „Unsere Umfrage zeigt, dass eine Gehaltssteigerung durch Übernahme oder Equal Pay unter dem Strich mit deutlich größeren Ängsten und Unsicherheiten auf Seiten der Zeitarbeitnehmer bezahlt wird. Wir müssen unseren Arbeitnehmern die Vorteile in der Zeitarbeit durch Equal Pay und eine unbefristete Beschäftigung nun noch deutlicher erklären und ihnen Sicherheit geben.“

Tendenzen

Die Umfrage fand zu einem sehr frühen Zeitpunkt statt, nachdem zum 1. Januar 2018 erstmals für eine größere Zahl von Beschäftigen die Bestimmungen zu Equal Pay wirksam wurden. Die Studie weist damit auf Tendenzen hin, die sich am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten verfestigen könnten – nicht zuletzt aufgrund der noch zu erwartenden Auswirkungen der Gesetzesreform.

Tiefer Einschnitt

Insbesondere das erstmalige Eintreten der 18-monatigen Höchstüberlassungsdauer am 1. Oktober 2018 wird ein weiterer tiefer Einschnitt für die Branche sein. Für die Befragung im Februar wurden rund 1.500 Zeitarbeitnehmer befragt, die zum 1. Januar 2018 von der Equal Pay-Regelung betroffen waren.

Quelle IGZ

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