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Zeitarbeit im öffentlichen Dienst kein Tabu

 „Zeitarbeitseinsätze etwa auch in Kommunalverwaltungen als Flexibilitätspuffer – nein, danke“, heißt es leider immer noch häufig, wenn es um den Einsatz dieser Beschäftigungsform im Öffentlichen Dienst geht.

Völlig zu Unrecht, meinte iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz, der auf Einladung von Bürgermeister Axel Linke mit dem Personalrat ausführlich in der Stadtverwaltung Warendorf über diese Fragen rund um Personaldienstleistungen referierte und anschließend lebhaft diskutierte.

Personalmangel

Anlass des Gespräches war ein konkreter Fall: In den städtischen Kindergärten erkrankten gleich mehrere Mitarbeiterinnen gleichzeitig, so dass die Kolleginnen den Personalmangel nicht mehr auffangen konnten. Kurzfristig wurde für einige Wochen eine Erzieherin gesucht – aber auf dem freien Markt nicht gefunden. „Eine Zeitarbeitsfirma hätte aber sofort eine Fachkraft mit den erforderlichen Qualifikationen gehabt“, schildert die Leiterin der inneren Verwaltung, Silke Middendorf rückblickend. 

Aufklärung

Damals entschied sich der Personalrat gegen den Einsatz von Zeitarbeitskräften. Grund waren ganz grundsätzliche Bedenken gegenüber der Branche. Werner Stolz setzte sich mit diesen Vorbehalten detailliert auseinander und klärte die Beteiligten auf, wie sich in den letzten Jahren aufgrund veränderter gesetzlicher und vor allem tariflicher Rahmenbedingungen ein Paradigmenwechsel im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung auf dem Markt vollzogen hat.

Alternative

„Zeitarbeit ist zu einer attraktiven Alternative mit fairen Konditionen geworden, auch wenn es in Verwaltungsabläufen darum geht, Engpässe fix und ohne großen bürokratischen Aufwand zu überbrücken“, so Stolz. Auch ein Vergleich der Branchen-Tariftabellen mit dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) zeige, dass es gerade in den unteren Einstiegs-Entgeltgruppen keine gravierenden Gehaltsunterschiede mehr gebe. Und der Zeitarbeits-Tariflohn sei nur die einzuhaltende Lohnuntergrenze - das Minimum, mehr gezahlt werden könne immer.

Flexibilität

„Ich habe als Stadtverwaltungschef kein Interesse daran, dass externe Mitarbeiter schlechter gestellt werden, denn das vorübergehende Einstellungskriterium lautet für mich in erster Linie mehr Flexibilität“, betonte Bürgermeister Linke. Der relativ hohe Verrechnungssatz für geleistete Arbeitsstunden der Zeitarbeitskräfte rechtfertige sich durchaus, wenn man sich andererseits die Kosten unter anderem für Stellenausschreibungen und die langwierige Bewerberauswahl vergegenwärtige.

Mehrfach-Chancen

Eine weitere thematisierte Sorge war in dem Gespräch auch, dass Zeitarbeitskräfte ja nur eine begrenzte Zeit zum Einsatz kämen und dann in eine unsichere Zukunft abgemeldet würden. iGZ-Hauptgeschäftsführer wies auf die Mehrfach-Chancen des flexiblen Personals hin: „Viele sagen zu Recht - lieber unbefristet bei einer Zeitarbeitsfirma eingestellt sein als nur befristet in einem Betrieb beschäftigt. Eine Zeitarbeitskraft wird nach einem Einsatz anderweitig eingesetzt oder bekommt zumindest den Lohn erst einmal weiter gezahlt. Auch eine Übernahme beim Kundenunternehmen kommt häufig vor. Die Zeitarbeitskraft habe insoweit keine schlechteren Zukunftsaussichten.“

Aufklärungsarbeit

Am Ende des über zweistündigen Meinungsaustausches bedankte sich Personalratschef Michael Holzkamp beim Referenten Werner Stolz für die Aufklärungsarbeit und den kompetenten Einblick in die nicht immer allseits bekannten Verästelungen der Zeitarbeit. „Schön, dass ich Sie ein wenig von den Vorteilen der Branche überzeugen konnte“, bedankte sich Stolz abschließend und wünschte sich, dass zukünftig auch Kommunalverwaltungen noch unbefangener und selbstverständlicher ohne Tabus mit dem Einsatz von externen Personal umgehen würden. „Davon profitieren letztlich  alle: das Stammpersonal in den Verwaltungen wird entlastet, und die Bürgerschaft profitiert von mehr Service.“

Quelle IGZ

Zeitarbeit ein Sprungbrett in den Arbeitsmarkt

laut iGZ-Mittelstandsbarometer 12,32 Monate in einem Zeitarbeitsunternehmen. Über ein Drittel - 34,9 Prozent - bleiben ihrer Zeitarbeitsfirma allerdings wesentlich länger treu. Zwei Drittel kommen ursprünglich aus der Beschäftigungslosigkeit, rund 16 Prozent waren vorher langzeitarbeitslos. Ganz anders sieht´s dagegen in der Gesamtwirtschaft aus:

 

Erwerbslose Arbeitslosengeld-II-Empfänger nehmen pro Jahr etwa eine Million sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse auf. Dabei handelt es sich häufig um Helfertätigkeiten im Niedriglohnbereich. Fast die Hälfte der Beschäftigungen dauert weniger als sechs Monate, zwei Fünftel mindestens zwölf Monate. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Vorübergehende Beschäftigung

In gut der Hälfte der Fälle endet laut IAB-Pressemitteilung der Arbeitslosengeld-II-Bezug mit der Beschäftigungsaufnahme zumindest vorübergehend. In den anderen Fällen reichte das erzielte Einkommen nicht aus, um den Leistungsbezug zu verlassen. Dabei spielen nicht nur die Entlohnung und der Stundenumfang der begonnenen Tätigkeit eine Rolle, sondern auch die Größe und die Einkommenssituation des gesamten Haushalts: „Bei großen Haushalten ohne andere Einkommensquellen führt auch eine Vollzeitbeschäftigung nicht unbedingt zum Ende des Leistungsbezugs“, erklären die Arbeitsmarktforscherinnen Kerstin Bruckmeier und Katrin Hohmeyer.

Fünf Jobs in fünf Jahren

Für fast die Hälfte der Arbeitslosengeld-II-Empfänger, die aus der Erwerbslosigkeit heraus eine Beschäftigung aufgenommen haben, war dies bereits mindestens die fünfte Beschäftigungsaufnahme in den letzten fünf Jahren. Dabei zeigt sich in der IAB-Studie ein starker Zusammenhang zwischen kurzen Beschäftigungsdauern und dem Qualifikationsniveau. „Besonders schwer haben es Leistungsbezieher ohne abgeschlossene Berufsausbildung, dauerhaft in einer Beschäftigung zu verbleiben“, betonen Bruckmeier und Hohmeyer.

Nachhaltigkeit

Auch im Hinblick auf die Art der Beschäftigungsverhältnisse und der Betriebe gibt es Unterschiede. „Fachlich ausgerichtete Tätigkeiten mit einer höheren Entlohnung in größeren Betrieben sind deutlich nachhaltiger“, so die IAB-Forscherinnen.

Übernahmen

das bestätigt sich auch im Facharbeiterbereich, der über ein Drittel der Mitarbeiterschaft in der Zeitarbeitsbranche ausmacht. Hier fallen die Zahlen deutlicher aus – im Durchschnitt verbleiben die Mitarbeiter 18,83 Monate im Zeitarbeitsbetrieb. Aufgrund des steigenden Fachkräftemangels erhöht sich auch die Übernahmequote durch die Kundenunternehmen kontinuierlich und liegt mittlerweile bei rund 36 Prozent.

Helfertätigkeiten

Zwei Fünftel der aufgenommenen Jobs sind jedoch Helfertätigkeiten. Vier Fünftel der aufgenommenen Vollzeitjobs liegen im Niedriglohnsektor. Die Niedriglohnschwelle für sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte ohne Auszubildende liegt bei rund 2.000 Euro brutto pro Monat.

Stabilität analysiert

Die IAB-Studie beruht auf einem Datensatz mit einer Zehn-Prozent-Stichprobe aller Personen, die zwischen Januar 2005 und Dezember 2014 Arbeitslosengeld II bezogen haben. Da die Forscherinnen die Stabilität der Beschäftigung über einen Zeitraum von einem Jahr analysierten, wurden die Arbeitsaufnahmen im Jahr 2013 untersucht. „Man kann davon ausgehen, dass die Ergebnisse mit aktuelleren Daten ähnlich ausfallen würden, da sich Niveau und Dynamik der Arbeitsaufnahmen kaum verändert haben“, schreiben die Autorinnen der Studie.

Quelle IGZ

Weihnachtsfeier 2017

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